Ein gebrauchtes Original-Windschott kann eine gute Alternative zu einem teuren Neuteil oder einem Nachbau-Windschott sein (siehe auch unseren Blogbeitrag „Original-Windschott oder Nachbau? Ein Vergleich, der sich langfristig auszahlt“).
Gerade bei älteren Cabriolets sind originale Windschotts oft schwer oder gar nicht mehr zu finden – und wenn ein gutes Angebot auftaucht, möchte man natürlich möglichst schnell zugreifen.
Doch Vorsicht: Nicht jedes gebrauchte Windschott ist automatisch ein Schnäppchen. Auf den ersten Blick kann es ordentlich aussehen und trotzdem Schwachstellen haben. Besonders bei älteren Original-Windschotts können Netzstoff, Rahmen, Befestigungen oder bewegliche Teile bereits deutlich verschlissen sein.
Damit aus dem Schnäppchen keine teure Überraschung wird, zeigen wir Ihnen, worauf Sie beim Kauf achten sollten.
Passt das Windschott überhaupt zu meinem Cabrio?
Viele Windschotts sehen sich auf Fotos sehr ähnlich. Trotzdem bedeutet das nicht, dass sie an Ihr Fahrzeug passen. Entscheidend sind Fahrzeugmodell, Baureihe und teilweise sogar das Baujahr bzw. die Modellgeneration.
Deshalb sollten Sie vor dem Kauf genau vergleichen:
- Hersteller und Fahrzeugmodell
- Baureihe
- Baujahr bzw. Modellgeneration
- Original-Teilenummer
- Form und Abmessungen
- Befestigungspunkte
Lassen Sie sich vom Verkäufer am besten die Teilenummer und mehrere aussagekräftige Fotos geben.
Ideal ist eine Besichtigung vor Ort. So können Sie den Zustand besser beurteilen und im Idealfall direkt testen, ob das Windschott an Ihr Fahrzeug passt und sich sicher befestigen lässt.
Unser Tipp: Erst die Kompatibilität klären – dann kaufen.
Der Rahmen ist besonders wichtig
Ein beschädigter Netzstoff lässt sich bei Original-Windschotts ersetzen. Ein verbogener oder stark beschädigter Rahmen kann dagegen deutlich problematischer werden.
Schauen Sie sich den Rahmen deshalb genau an und achten Sie insbesondere auf:
- Verformungen oder Dellen
- Risse oder Bruchstellen
- verbogene Bereiche
- beschädigte Verbindungen
- beschädigte oder ausgerissene Befestigungspunkte
- fehlende Rahmenteile
Bei einem Klappwindschott sollten Sie außerdem prüfen, ob der Rahmen sauber und gerade auf- und zuklappt.
Besonders bei Kunststoffrahmen lohnt sich ein genauer Blick, da diese leichter brechen können. Auch Übergänge von Aluminium- auf Kunststoffrahmen – häufig gesteckt oder zusätzlich geklebt – sollten sorgfältig kontrolliert werden.
Warum ist der Rahmen so wichtig?
Der Netzstoff kann noch so gut sein – wenn der Rahmen nicht mehr stabil und maßhaltig ist, sitzt das Windschott möglicherweise nicht richtig. Ein beschädigter Rahmen kann außerdem verhindern, dass es sicher am Fahrzeug befestigt werden kann.
Deshalb gilt: Lieber ein gebrauchtes Windschott mit schlechtem Netzstoff und intaktem Rahmen kaufen als eines mit schönem Netzstoff und beschädigtem Rahmen.
Lack und Oberfläche genau ansehen
Bei einem gebrauchten Original-Windschott sind kleinere Gebrauchsspuren völlig normal. Trotzdem sollten Sie zwischen normalen Kratzern und ernsthaften Beschädigungen unterscheiden.
Achten Sie auf:
- tiefe Kratzer
- Abplatzungen
- Rost oder Korrosion
- starke Verfärbungen
- auffällige oder unsaubere Nachlackierungen
Vor allem bei Metallteilen sollten Sie beschädigte Lackstellen genauer prüfen, da sich dort mit der Zeit Korrosion bilden kann.
Kleinere Lackschäden lassen sich bei einer späteren Aufarbeitung häufig ausbessern. Rahmen- oder Metallteile können bei Bedarf auch neu lackiert werden.
Der Netzstoff: Oft die größte Schwachstelle
Bei vielen älteren Windschotts ist der Netzstoff das Bauteil, das zuerst Probleme macht. UV-Strahlung, Witterung, äußere Einflüsse, häufiges Zusammenklappen, Alter und mechanische Belastung können dem Material zusetzen. Mit zunehmendem Alter kann der Stoff spröde werden und leichter einreißen.
Prüfen Sie deshalb den Netzstoff sorgfältig auf:
- Risse
- Löcher
- ausgefranste Stellen
- sprödes Material
- gelöste Bereiche
- stark ausgeleierte Stellen
- Verfärbungen
- Beschädigungen an den Rändern
- Stärkere Verschmutzungen
- Stockflecken
- Flecken durch Flüssigkeiten
Ein beschädigter Netzstoff bedeutet nicht automatisch, dass Sie vom Kauf absehen sollten. Wenn Rahmen und Mechanik in Ordnung sind, kann ein solches Windschott durchaus interessant sein. Ein beschädigter Netzstoff kann beim Gebrauchtkauf sogar eine Möglichkeit sein, ein gutes Original-Windschott günstiger zu bekommen.
Nicht nur den Stoff prüfen – auch das Gummiprofil
Ein Punkt, der beim Gebrauchtkauf gerne übersehen wird, ist das Gummiprofil, mit dem der Netzstoff im Rahmen gehalten wird. Ist das Profil spröde, beschädigt oder nicht mehr passend, kann auch ein neuer Netzstoff nicht optimal befestigt werden.
Prüfen Sie deshalb:
- Ist das Gummiprofil vollständig vorhanden?
- Ist es spröde oder porös?
- Sitzt der Netzstoff noch fest im Rahmen?
- Gibt es Stellen an denen sich das Profil löst?
- Wurde der Stoff bereits einmal unsachgemäß erneuert?
Auch hier gilt: Verschleiß ist kein Ausschlusskriterium. Gummiprofile können ersetzt werden.
Sind alle Befestigungsteile vorhanden und passend?
Das gehört zu den wichtigsten Punkte beim Kauf eines gebrauchten Windschotts.
Denn was bringt Ihnen ein originales Windschott, wenn Sie es anschließend nicht sicher am Fahrzeug befestigen können?
Prüfen Sie deshalb, ob alle benötigten Befestigungsteile vorhanden, passend und unbeschädigt sind.
Je nach Modell können beispielsweise dazugehören:
- Halterungen
- Haken
- Riemen
- Federn
- Schrauben
- Stifte & Raststifte
- Sicherungselemente
- Klappmechanismen
- Kugelköpfe
- Druckknöpfe
- Klemmmechanismus, teilweise mit Schloss
- spezielle Verbindungsteile
Fehlt ein kleines Teil, kann das später zu einer aufwendigen Suche führen. Im ungünstigsten Fall ist das benötigte Ersatzteil gar nicht mehr auf dem Markt erhältlich.
Entscheidend ist daher nicht nur, ob die Befestigungsteile vorhanden sind, sondern auch, ob sie zu Ihrem Fahrzeug passen und das Windschott sicher befestigt werden kann.
Bei vielen Windschotts lassen sich einzelne Ersatzteile austauschen. Für verschiedene Original-Windschotts bieten wir deshalb passende Ersatzteile an.
Bewegliche Teile und Klappmechanismus testen
Bei klappbaren Windschotts sollten Sie sich die Mechanik genau ansehen.
Fragen Sie den Verkäufer beispielsweise:
„Lässt sich das Windschott vollständig und ohne ungewöhnlichen Widerstand auf- und zuklappen?“
Achten Sie auf:
- Schwergängigkeit
- Knacken (nicht zu verwechseln mit einem Einrasten)
- ungewöhnliches Spiel
- lockere Gelenke
- fehlende Federn
- beschädigte Scharniere
Ein schwergängiger Mechanismus muss nicht automatisch gegen den Kauf sprechen, sollte aber bei der Preisverhandlung berücksichtigt werden.
Bei einer professionellen Aufarbeitung können auch mechanische Bauteile geprüft und entsprechend behandelt werden. Oft fehlt lediglich Schmiermittel.
Wurde das Windschott schon einmal repariert?
Ein bereits repariertes Windschott muss nicht schlecht sein. Im Gegenteil: Eine fachgerecht durchgeführte Reparatur kann die Lebensdauer deutlich verlängern. Problematisch wird es eher bei unsachgemäßen Reparaturen.
Fragen Sie deshalb den Verkäufer:
- Wurde der Netzstoff bereits erneuert?
- Wurde der Rahmen repariert?
- Wurden Befestigungsteile ausgetauscht?
- Wurde etwas geklebt?
- Wurde der Rahmen lackiert?
- Gibt es bekannte Vorschäden?
Wenn möglich, lassen Sie sich Bilder von früheren Reparaturen zeigen.
Onlinekauf - Lassen Sie sich die richtigen Fotos schicken
Sie kaufen ein gebrauchtes Windschott online? Dann sollten Sie sich nicht mit wenigen oder schlecht aufgenommenen Fotos zufriedengeben. Besonders nicht, wenn der Preis bei selteneren Windschotts hochpreisig ist.
Bitten Sie den Verkäufer am besten um folgende Fotos:
- Foto 1: komplettes Windschott
- Foto 2: komplettes Windschott von vorne
- Foto 3: komplettes Windschott von hinten
- Foto 4: Rahmen und Kanten
- Foto 5: Netzstoff aus der Nähe
- Foto 6: alle Befestigungspunkte
- Foto 7: Klappmechanismus
- Foto 8: Teilenummer
- Foto 9: sichtbare Beschädigungen
Damit können Sie bereits sehr viel besser einschätzen, ob das Angebot wirklich interessant ist.
Unsere Kauf-Checkliste für gebrauchte Original-Windschotts nochmals in kürze zusammengefasst
- Passt das Windschott zu meinem Fahrzeug?
- Ist die Teilenummer bzw. Modellzuordnung passend?
- Ist der Rahmen gerade und unbeschädigt?
- Sind Lack und Oberfläche für mich akzeptabel?
- Ist der Netzstoff noch intakt oder muss er erneuert werden?
- Ist das Gummiprofil vorhanden und noch brauchbar?
- Sind alle Befestigungsteile vorhanden und passend?
- Lässt sich der Klappmechanismus problemlos bedienen?
- Sind bekannte Reparaturen oder Vorschäden vorhanden?
- Habe ich ausreichend aussagekräftige Fotos vom Verkäufer erhalten?
Fazit: Erst prüfen, dann kaufen
Beim Kauf eines gebrauchten Original-Windschotts sollten Sie sich nicht allein vom äußeren Eindruck oder einem günstigen Preis leiten lassen. Entscheidend ist vor allem, dass das Windschott zu Ihrem Fahrzeug passt und Rahmen, Befestigungen sowie Mechanik in einem brauchbaren Zustand sind.
Ist der Netzstoff oder das Gummiprofil beschädigt oder verschlissen, muss das kein Grund sein, ein passendes Windschott nicht zu kaufen. Sie können es entweder bei uns professionell reparieren und neu bespannen lassen oder die Neubespannung selbst durchführen. Für die Eigenreparatur bieten wir passende Netzstoffe, Gummiprofile, Bespannungssets und Werkzeuge an.
Wenn Sie sich beim Zustand eines gebrauchten Windschotts unsicher sind, schicken Sie uns gerne aussagekräftige Bilder oder das Inserat an info@windschottreparatur.de. Wir helfen Ihnen gerne bei der Einschätzung.
Unser wichtigster Tipp: Nicht vom ersten Eindruck oder einem günstigen Preis täuschen lassen. Erst genau prüfen – dann kaufen.